Die Jugend schläft? – von wegen!

von Vanessa Gstettenbauer

 

Neueste Studien besagen, dass die heutige Jugend nachlässt. „Die Jugendlichen ruhen sich auf dem Gehalt ihrer Eltern aus und kommen nicht in die Gänge. Anwärter auf Berufe werden immer schlechter und ausgeschriebene Stellen können kaum noch qualifiziert besetzt werden.“

So oder ähnlich klingen die Zeitzeugen: Die Arbeitgeber. „Engagement, Ausdauer, Rhetorik, Ideen, Kreativität: Fehlanzeige!“

Auf der internationalen IENA Messe der Ideen, Erfindungen und Neuheiten wurde jedoch das Gegenteil bewiesen. Hier präsentierten vorwiegend Jugendliche ihre neuesten Entwicklungen

Praktisches Handwerkszeug

In Nürnberg fand die internationale IENA Messe statt, die ähnlich wie die grosse Erfindermesse in Genf sehr vielseitig ist. Von professionellen Tapetenentfernern und der Entgiftung von Raucherluft bis hin zu Montagen von Hockeyschlägern stellen hier vorwiegend Schüler und Schülerinnen ihre neuesten Entdeckungen, Ideen und Erfindungen aus. Auch die deutsche Stiftung „Jugend forscht“ lässt einige geförderte Teilnehmer des Wettbewerbes in diesem Jahr ihre Gewinnerprojekte präsentieren.

 

„Haben auch Sie schon tagelang versucht, in mühevoller Handarbeit Tapeten zu entfernen?“, fragen Tobias Bücklers und Florian Gritsch von der gewerblichen Schule Waldshut, die einen Regionalwettebewerb von „Jugend forscht“ in Süddeutschland gewonnen haben und nun von „Jugend forscht“ aus eingeladen worden sind, auf der internationalen Messe auszustellen. „Mit diesem Problem hat praktisch schon jeder, der sein Haus renovieren wollte, zu kämpfen gehabt.“, sagt Tobias Bücklers. „Wir haben eine Lösung, bestehend aus einem dreiteiligen Set, gefunden.“

Hierbei geht es im ersten Schritt um das perforieren der Tapete mit Walligel, einem Aufsatz, der die Tapete aufschneidet, damit Wasser unter darunter gelangen und den Kleister lösen kann.

Als nächstes wird die Wand mit Hilfe einer Sprühflasche oder eines Kompressors befeuchtet.

Im letzten Schritt kommt nun der nächste von den beiden entwickelte Aufsatz, der Paintiflex, zum Zuge. Dieser besteht aus vier messerartigen Schabern, die die Tapete ähnlich einem Spachtel entfernen. Der Unterschied zum Spachtel ist, dass es mit dieser innovativen Lösung viel schneller geht. „Die Idee kam ursprünglich von außen.“, meint Tobias. „Wir wollten schon immer bei „Jugend forscht“ mitmachen, da kam uns diese Problemstellung gerade recht und wir haben sie ausgearbeitet.“

 

„Passivrauch ist keine Belästigung, sondern Gesundheitsschädigung mit Todesfolge.“, meint Lisa

 

Auch von „Jugend forscht“ geschickt wurden Lisa Gutjahr und Thomas Gnandt. Sie führten erfolgreiche Untersuchungen zum Entgiften von Raucherluft durch. Damit gewannen sie sogar den vierten Bundessieg. „Passivrauch ist keine Belästigung, sondern Gesundheitsschädigung mit Todesfolge.“, meint Lisa. „Nach einigen langwierigen Versuchen fanden wir heraus, dass die Kombination von Zeollith und Titandioxid eine optimale Strategie zur Entgiftung der Raucherluft darstellt. Der fotokatalytische Abbau der Schadstoffe im Rauch ist nicht nur im Sonnenlicht, sondern auch in Räumen mit diffusem Tageslicht oder künstlicher Beleuchtung möglich.“ Thomas fügt hinzu: „Nun haben wir uns natürlich die Frage gestellt, wie wir diese Technik erfolgreich einsetzen können, um die Gefahr des Passivrauches stark zu verringern. Hierzu haben wir einige Experimente durchgeführt und nachher drei gut funktionierende Anwendungsmöglichkeiten gefunden.“

Die beiden erfolgreichen Forscher haben zum einen Zeollith- und Titandioxid – Beimischungen auf Wandputzen oder Raumtextilien jeglicher Art getestet. Diese bauen den Rauch bis zu 70% ab. Auch Atemschutzmasken können diesen Dienst erfüllen. Diese filtern sogar fast 95% der Schadstoffe aus der Einatmungsluft. Außerdem schaffen Textilien und Kleidungsstücke mit dauerhaften Imprägnierungen einen guten Schutz gegen den Passivrauch. „,Jugend forscht‘ war schon immer ein großes Ziel für uns. Wir wollten auch schon immer etwas Chemisches durchführen, da kam uns diese Idee.“

 

 

„Dass unsere Erfindung so erfolgreich wird, hätten wir nie gedacht“, meint Christian.

Ebenfalls von „Jugend forscht“ aus, stellen Christian Borgmann und Jan Krümpel ihre neueste Erfindung, mit der sie den zweiten Bundessieg davongetragen haben, auf der IENA Messe aus. Sie erfanden das Freeze-Control-System, kurz das „Fre.Con.“. Dieses System besteht aus einem kleinen Aufkleber, der sich von weiß nach blau färbt, wenn ein Produkt, auf dem der Aufkleber angebracht ist, schon einmal aufgetaut war und wieder eingefroren wurde. Somit dann die Qualität von Produkten gesichert und der Verbraucherschutz verbessert werden. „Dass unsere Erfindung so erfolgreich wird, hätten wir nie gedacht“, meint Christian. Die Überraschung kam dann auf der internationalen Messe: Sie gewannen die Bronzemedaille für ihre Idee.

 

„Die EMMa gehört in jeden Hockeyshop und in jedes Eisstadion!“

Die „Eishockeyschläger-Montier-Maschine“, kurz „EMMa“ ist ebenfalls bei „Jugend forscht“ zu finden. Konrad Socher und Matthias Flad haben diese erfunden und damit bei „Jugend forscht“ den zweiten Landessieg in Bayern davongetragen. Mit Hilfe dieser Maschine kann ein Eishockeyschläger innerhalb wenigen Minuten montiert und wieder demontiert werden. Und das ganz ohne Unfallrisiko. Zunächst wird der Schläger in die Klemmvorrichtung eingespannt und erwärmt. Mit Hilfe des Zahnradsystems kann die Schaufel nun problemlos montiert oder demontiert werden. Für besonders komplizierte Brüche der Schaufel ist eine Vorrichtung angebracht, mit der die Schaufelreste entfernt werden. Zusätzlich ist am hinteren Teil eine Säge angebracht, mit der die Schläger auf die individuelle Länge gekürzt werden können. „Die EMMa gehört in jeden Hockeyshop und in jedes Eisstadion!“, meint der Eishockeyspieler Matthias Flad, der davor immer in der Kabine seiner Schläger von Hand auseinanderreißen musste. „Matthias hat uns davon erzählt und wir haben uns dann zusammengesetzt, um das zu ändern.“, meint Konrad. „Die Idee damit zu „Jugend forscht“ zu gehen kam erst später.“

 

„Kraftstoffgewinnung aus Pflanzenöl der Pflanze ,Jatropha‘ und Plastikabfall“ heißt die Jugendinitiative 'THINKenergy'

 

„Kraftstoffgewinnung aus Pflanzenöl der Pflanze ,Jatropha‘ und Plastikabfall“ heißt die Jugendinitiative „THINKenergy“ des Erfinderclubs „EventFabrik“, bestehend aus Dave Tjiok, Gabriel Szilagyi, Oliver Gorzellik, Sarah Költzow, Vanessa Gstettenbauer, Nadine Trautner und Linda Dreisen. . „Plastikabfall gibt es überall, wo es Menschen gibt. Warum soll man diesen also nicht dazu benutzen, eines der größten Probleme heutzutage zu lösen?“, meint Dave Tjiok. „Heutzutage benutzt man zur Gewinnung von Kraftstoff noch Palmöl. Daraus entsteht jedoch ein äußerst aggressiver Kraftstoff, für den man den kompletten Motor umbauen müsste. Außerdem braucht diese Pflanze sehr viel Dünger und schadet dem Boden, bis man diesen nach einigen Jahren nicht mehr benutzen kann.“, so Gabriel Szilagyi. „Für Palmöl muss man auch Regenwald abroden, um genug Platz dafür zu bekommen. Deshalb haben wir uns nach einer neuen Lösung umgeschaut!“, fügt Vanessa Gstettenbauer hinzu. Die Lösung heißt „Jatropha curcas“, eine äußerst anspruchslose Pflanze, die auch nutzbringend für die Wiederherstellung von erodiertem Boden ist und keinen Dünger braucht. „Sie wächst fast wie Unkraut“, erzählt Nadine Trautner. „Außerdem ist sie ein wenig giftig, wird also nicht von Tieren gefressen.“ „Unsere erste Anlaufstelle für dieses neue Projekt ist Indonesien, wo Plastikabfall in rauhen Mengen, ohne Organisation der Müllentsorgung, herumliegt und die Pflanze überall wächst. „Dort kann neben der Tatsache, dass man endlich von der Abhängigkeit vom Erdöl wegkommt, auch die Armut durch Ankurbelung der regionalen Wirtschaft bekämpft werden.“, sagt Linda Dreisen. „Durch die Kombination des aus dem Plastikabfall gewonnenen Öls und des Öls der Pflanze, kann ein für die Zukunft nutzbringender Kraftstoff gewonnen werden, denn die Ressourcen auf diesem Planeten sind begrenzt.“, erzählt Dave Tjiok abschließend. Dieses Projekt wird von Vanessa Gstettenbauer und Nadine Trautner beim „Jugend forscht“-Wettbewerb präsentiert. Einen kleinen Vorgeschmack bekam der Erfinderclub schon auf der Messe: Das Projekt gewann die Silbermedaille auf der internationalen Messe.  

 

Auf der IENA Messe stellten jedoch nicht nur geförderte Teilnehmer von „Jugend forscht“ aus, sondern auch etliche kreative Erfinder mit ihren neuesten Ideen. Viele waren aus Korea, Taiwan, Persien, Kuwait, Amerika, Russland, Kroatien, Malaysia oder Slowenien angereist. Ob neu entwickelte vollautomatische Körpertrockner, neuartige Befestigungsmethoden von Perücken oder Antischnarchsysteme, der Kreativität war keine Grenze gesetzt.

 

 

 

 

 

spritzwasserfreie Benutzung eines Wasserklosetts - der „Knie-Pinkler“

Einen Anstoß an die Sanitäre gaben Helmut Brunnemer und Horst Hornung. Die beiden Tüftler garantieren durch ihre Erfindung eine spritzwasserfreie Benutzung eines Wasserklosetts, sie präsentieren den „Knie-Pinkler“. „Das ist die leicht umsetzbare Antwort auf die diesbezüglich unausgesprochenen Wünsche von Millionen Hausfrauen und Reinigungskräften.“, so Horst Hornung. „Hierbei ist ein das WC insofern nachzurüsten, dass man für die Knie neben das Klosett Hocker anbaut, sodass man gar nicht mehr daneben pinkeln kann.“ „Eigentlich war das ganze für Behinderte gedacht, aber nachher haben wir bemerkt, dass es auch für körperlich nicht eingeschränkte eine gute Hilfe ist, das Bad sauber zu halten.“

 

„In Europa seid ihr weit zurück!“

„In Europa seid ihr weit zurück!“, meint Ana Kim aus Korea. Sie stellt die neueste Mode für die Nägel in Korea aus. „Wer braucht noch ein Nagelstudio?“, fragt sie. „Mit dem „Sponge Nail Art – dress up your nails“ kann jeder selbst seine Nägel nach der neuesten Mode stylen. Und das völlig unkompliziert und schnell.“ Innerhalb von 3 Sekunden ist es geschafft. Diese neue Art aus Korea besteht aus verschiedenen Stampern, die man auf die Nägel anbringen kann. „Natürlich ist das alles wieder verwendbar.“, so Ana Kim. Auch auf Handys und sonstige Textilien lässt sich diese Technik anwenden. „Es ist die innovative Lösung, es geht schnell und ist total einfach.“

 

 

 

 

„Das ist das Ende für Öl und Gas!“

„Stromkosten – ade“, meint Diplomingenieur Horlemann aus Belgien. „Ich hatte schon immer den Wunsch, meinen Strom selbst zu produzieren. Dazu erfand er „das bewohnbare Kraftwerk“. Auf dem Dach ist ein Absorbwind-Modul angebracht. Windgetriebene Luft wird hierbei aus allen Richtungen lautlos und stromlos in das Modul gepresst. „Absorbwind-Module intergrieren sich unsichtbar und lautlos in Wohn- und Erholungslandschaften.“, so Horlemann. „Das ist das Ende für Öl und Gas!“

 
Für einen herzhaften Trinkgenuss sorgt Friedhelm Köster. Er stellt den neuen „Spül-MAXX“ zum schnellen reinigen von Biergläsern aus. Diese mobile BierGlasReinigungs – Maschine reinigt Gläser in einem patentierten Durchlaufverfahren. Vorteilhaft sind die Zeitersparnis und die Umsatzsteigerung. Außerdem werden harnäckige Rückstände problemlos entfernt, sodass der stabilen Bierschaumkrone keine Grenzen gesetzt sind. „Diese Entdeckung gehört zur Gastronomie!“, so Friedhelm Köster. Die Idee ist ihm bei einem Schützenfest gekommen, bei dem er in der Küche beim Spülen beschäftigt war. „Das hat mich so genervt, da musste ich etwas dagegen unternehmen.“

„Surfish“ - die Vorteile der Bewegungen des Fisches

Rudolf Lackner aus Österreich entwickelte ein Wasserfahrzeug mit integriertem Schwanzflossenantrieb. Dieses nannte er „Surfish“. „Ich habe die Vorteile der Bewegungen des Fisches nachgebildet. So hat das Gerät auf dem Wasser eine viel größere Beweglichkeit. Außerdem habe ich die Raffinessen der Natur mit hochentwickelten Steuerungstechnik verbunden.“, so Rudolf Lackner, der auf diese Idee durch einen Traum am See gekommen ist. „Ich sah im Traum einen Jungen, der ein Surfbrett dabei hatte. Das hat er dann in die Luft gehoben und unten hingen Flossen dran. Deshalb hat er sich im Wasser so gut mit dem Brett bewegen können.“ Auf dem „Surfish“ ist ein kleiner PC angebracht, mit dem man die Fahrt steuern und sogar seine Wege einspeichern kann. „Dies garantiert einen wunderschönen gemütlichen Tag auf Hoher See.“

 

Auch für Studenten ist was dabei. Ein Macedonier hat die innovative Lösung für die Nahrungsprobleme der Studenten. „Kochen dauert zu lang und in der Mensa schmeckt es auch nicht.“ So oder ähnlich klingen viele von ihnen. „Deshalb habe ich ein Gerät zur automatischen Essenszubereitung entwickelt.“, meint Spasovski Marjan. Das Gerät kann bis zu 100 verschiedene vorher einprogrammierte Speisen zubereiten. Zuerst wird das Essen gekühlt, dann gereinigt und zuletzt gekocht. Danach reinigt es sich selbst. Man kann sogar morgens die Zutaten und das Programm eingeben, eine Uhrzeit am Mittag oder Abend festsetzen und man bekommt zu dieser Uhrzeit das Essen warm und frisch zubereitet. „Ich war lange Zeit Koch und habe mir schon immer überlegt, wie man auch bei zu vielen Gästen genug Speisen von guter Qualität zubereiten kann und da kam mir die Idee.“

 

„Junge Erfinder braucht das Land!“

„Junge Erfinder braucht das Land!“, so der Veranstalter der Messe. „Sie denken anders als Erwachsene, ihre Meinung zu aktuellen Problemen ist gefragt. Firmen kommen zu uns, um Antworten auf ihre intern auftretenden Probleme zu bekommen, oder neue Ideen für Produkte mitzunehmen. Da ist nun jeder Jugendliche aufgerufen, sich kreativ daran zu beteiligen. Eine gute Möglichkeit sind hierbei ,Jugend forscht’ und das Ausprobieren in Erfinderclubs.

Infos zum Wettbewerb "Jugend forscht" findet Ihr unter

 

“Jugend forscht“-Wettbewerb

23.05.2018