DOMINO – kein Spiel, sondern ernst genommene Beteiligung von Jugendlichen!

von Andrea Büttner

Die Aufgabe klingt leicht: Jugendliche haben 8.000 EUR und können entscheiden, welche Projektideen von und für Jugendliche sie damit finanzieren. Doch was sich im ersten Moment so schön einfach anhört, erweist sich später als harter Brocken. Die 14 Jugendlichen der Jugendjury, die diese Entscheidung treffen sollen, sind begeistert von den 25 sich präsentierenden Projektideen mit einem Gesamtantragswert von 22.000€. Eine Entscheidung fällt Ihnen sichtlich schwer. Gibt’s nicht? Bei DOMINO schon.

DOMINO ist eine Beteiligungsmethode für Jugendliche, bei der Entscheidungskompetenzen von Erwachsenen in die Hände von Jugendlichen gelegt werden.

 

 

Warum das ganze?

Ganz einfach: Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen bei der Gestaltung ihres Lebensumfeldes ist ein grundlegender Bestandteil von Jugendarbeit und Jugendpolitik. Mädchen und Jungen sind nicht einfach nur Objekte von Planungen und Entscheidungen, sondern handelnde Individuen mit subjektiven Rechten und vielen Interessen, Ideen, Kompetenzen und Ressourcen. Dies wollen wir mit DOMINO nutzen. Jugendliche werden als ExpertInnen in eigener Sache ernst genommen. Die Praxis zeigt, dass Jugendliche ihre Ideen für ihr Lebensumfeld erfolgreich formulieren und umsetzen können. Jugendliches Engagement als Beteiligung an der Gesellschaft zu fördern und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, sehen die InitiatorInnen des Projektes DOMINO als wichtigste Grundlage.

 

„[Ich wünsche mir] mehr Toleranz für die Jugendlichen. Die Erwachsenen denken ja meistens nicht mehr so in den Breiten, wie es die Jugendlichen tun. Die denken, dass ist vielleicht für Jugendliche gut und dabei interessiert das die Jugendlichen am wenigsten.“                              (Ivo, 19 Jahre, Dresden Prohlis)

 

Vor diesem Hintergrund hat das Kulturbüro Dresden in Kooperation mit der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank die Methode DOMINO als Grundlage für ein Beteiligungsprojekt für und mit Kindern und Jugendlichen entwickelt. Seit 6 Jahren läuft dieses Beteiligungsprojekt erfolgreich in Dresden. Mit dieser Methode konnten mittlerweile etwa 208 Jugendprojekte in Dresden durch viele engagierte junge Jurymitglieder gefördert und damit umgesetzt werden.

Das Anliegen des Kulturbüro Dresden ist es, jugendliches Engagement als Beteiligung an der Gesellschaft zu fördern und mit DOMINO die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

 

 

 

 

DOMINO: Aktiv gestalten – Jugendliche bestimmen selbst

Demokratie positiv erleben ist das Ziel des DOMINO - Prinzips.

Junge Menschen können hier soziale Kompetenz und demokratisches Selbstbewusstsein erlernen, indem sie sich mit verschiedenen Jugendprojekten und deren Werten auseinandersetzen. Sie können sowohl über die Förderung von Jugendprojekten selbstständig entscheiden, als auch mit ihren eigenen Projekten ihre Stadt gestalten.

                  

Jugendliche bestimmen selbst: Als Fachleute in eigener Sache entscheiden Jugendliche in Form einer Jury, welche Jugendprojekte in Dresden gefördert werden sollen. Besonders bei der Juryarbeit liegt der Schwerpunkt auf dem Erlernen demokratischen Handelns und sozialer Kompetenz, da keiner der Jugendlichen allein entscheiden darf, sondern die Entscheidungen als Forum gefällt werden. Die Jugendlichen vertreten ihre eigenen Meinungen vor den anderen Jurymitgliedern und sammeln darüber hinaus Erfahrungen beim Begründen und Argumentieren. Gleichzeitig lernen sie, die Meinungen anderer Jurymitglieder anzuhören und zu akzeptieren, Kompromisse einzugehen und als Gruppe zu agieren und voneinander zu profitieren.

Die Jugendlichen, die als Jury an DOMINO teilnehmen, erfahren, dass auch sie wichtige Entscheidungen treffen können, ihre Meinung ernstgenommen wird und diese auch in ihrer Stadt etwas verändert.

 

Aktiv gestalten: Als zentrale Akteure in den DOMINO – Veranstaltungen haben die Jugendlichen die Möglichkeit ihre selbst entwickelten Projektideen zu verwirklichen. DOMINO bietet Jugendlichen hier eine Plattform, wo sie nicht nur vom eigenen Projekt träumen, sondern dieses auch verwirklichen können. Bei der Verwirklichung ihrer Projektidee lernen die Jugendlichen, dass auch ihre Ideen und ihr eigenverantwortliches Engagement gefragt sind. Mit der Umsetzung des Projektes haben die Jugendlichen nicht nur einen persönlichen Erfolg, sondern gestalten aktiv ihr spezielles Lebensumfeld und ermöglichen sich damit selbst eine stärkere Identifikation mit diesem.

DOMINO zeigt den Jugendlichen im kleineren Kreis den Ablauf demokratischer Prozesse auf und befähigt sie, an diesen aktiv und erfolgreich teilzunehmen.

Doch wie funktioniert DOMINO nun in der Praxis?

 

Jährlich finden in Dresden zwei DOMINO – Durchläufe statt. Im April fördern Jugendliche bei der Veranstaltung „DOMINO – Jugend gestaltet tRäume“ Projekte von und für Jugendliche aus dem Freizeitbereich. Hier findet neben Tanzgruppen und Fußballprojekten auch der neue Anstrich für die Garage, in der man sich zukünftig treffen will, seinen Platz. Im Dezember dagegen werden beim „Jugendkulturforum DOMINO“ Jugendprojekte mit dem thematischen Schwerpunkt Jugendkultur gefördert.

 

Bei DOMINO wird ein Fördergeldbetrag zur Verfügung gestellt, mit dem Jugendliche in Form einer Jugendjury selbst entscheiden, welche Jugendprojekte in Dresden gefördert werden und damit entstehen sollen.

Dazu bewerben sich, nach intensiver Öffentlichkeitsarbeit, stadtweit alle Jugendlichen, die ihre Jugendprojektidee umsetzen wollen bei der jeweiligen Jugendjury c/o <st1:PersonName>Kulturbüro Dresden</st1:PersonName> um eine Förderung.

Die Jury setzt sich immer wieder neu aus etwa 12 Jugendlichen zusammen, die sich in drei Vorbereitungstreffen auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe der Projektförderung als Vertretung der Jugendlichen in Dresden rüstet. In den Vorbereitungstreffen befasst sich die Jugendjury mit der Frage: Was ist Demokratie?. Aus den Antworten auf diese Frage legt sich die Jury selbst Bewertungskriterien und einem Fördergeldvergabeschlüssel für die Förderung der Jugendprojekte fest.

Auf einer öffentlichen Veranstaltung werden die jungen Antragssteller ihre Projektideen kurz der Jugendjury und dem Publikum vorstellen. In der anschließenden öffentlichen, für Projekte und Publikum transparenten, Jurysitzung wird die Jugendjury diskutieren und entscheiden, welchen Jugendprojekten sie eine Förderung zukommen lässt.

Während des gesamten Zeitraumes von Beginn der Bewerbungsfrist bis, falls notwendig, zum Ende des Projektes, erhalten alle Jugendprojekte Unterstützung und Begleitung bei der Antragstellung, Präsentation und Umsetzung der Ideen im Kulturbüro Dresden, wobei diese unter dem Motto: „so viel Unterstützung wie nötig, aber so wenig Einmischung wie möglich“ erfolgt.

Einige Monate nach der eigentlichen Förderveranstaltung findet ein kleines Nachtreffen statt, in welchem sich Projekte und Jury über den aktuellen Stand der jeweiligen geförderten Projekte austauschen.

Vorteile einer solchen öffentlichen Förderveranstaltung?

- Jugendprojekte werden öffentlich präsentiert und erfahren dadurch ein größeres Interesse bei Publikum und Jugendlichen

- Jugend wird stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gelegt und Jugendliche erfahren so, wo Möglichkeiten zur jugendgemäßen Betätigung bestehen.

- Erwachsene erfahren, dass auch Jugendliche sich engagieren und aktiv bei der Gestaltung ihrer Stadt mitreden wollen.

- Dem Publikum und den Projekten wird transparent dargestellt, warum die Projekte gefördert werden.

 - Durch die Projektpräsentation werden andere Fördergeldgeber auf Projekte aufmerksam

 

Ich würde mir „ ....mehr Mitentscheidungsrecht [wünschen], nicht nur bei so etwas, wo es um Geldvergabe geht. Etwas wo wir unsere Meinung äußern können und nicht nur äußern, sondern, dass die auch etwas zählt.“

(Anne, 18 – Gorbitz)

 

„Wenn wirklich sehr viel Ältere über Projekte von Jugendlichen entscheiden, sind meistens noch andere Aspekte enthalten, die die Jugendlichen nicht unbedingt miteinbeziehen. [...] Motivation war, über Projekte von Jugendlichen zu entscheiden. Also, von Jugendlichen für Jugendliche.“

(Ivo, 19 – Prohlis)

23.05.2018